Dr. Astrid Zimmermann


Astrid Zimmermann ist langjährige Journalistin und war als Frau schon früher als viele andere in Führungspositionen tätig: Redaktionsleiterin, Betriebsrätin, Chefin der Journalistengewerkschaft, Generalsekretärin des Presseclubs Concordia. Sie hat viel zu sagen über die Sache der Frauen und über guten Journalismus in unserer Zeit.

„Frauen können es genauso gut wie Männer“

Welche Empfehlungen kannst du Frauen mit auf den Weg geben, um mindestens ebenso erfolgreich zu sein wie Männer?

Ich rate den Frauen, sich auf den Weg zu machen, sich selbst etwas zuzutrauen. Der Appell lautet aber auch: Bleib’ bei dir! Stell Dir bei vielen Dingen, die an Dich herangetragen werden, die Frage: Will ich das wirklich? Frauen sollen nicht glauben, sie müssten gewisse Dinge tun, um Karriere zu machen.

Wie lauten also konkret deine Empfehlungen?

Ganz einfach: Bleib authentisch. Oder, mit Verlaub: Scheiß Dich nicht an. Frauen können es genauso gut wie Männer oder genauso schlecht. Frauen müssen nicht besser sein, nur weil sie Frauen sind. Und sie brauchen nicht alles selber zu können. Man (frau) kann sich auch Beratung holen. Ich habe mir in schwierigen Fällen Coaching selber bezahlt. Und ich habe entdeckt, dass mir das sehr geholfen hat.

Du warst selbst aktive Journalistin bei Arbeiterzeitung und Standard und bist jetzt Generalsekretärin des Presseclubs „Concordia“ in Wien. Warum wird dieser so gerne von Journalisten und Vortragenden angenommen?

Der Presseclub Concordia ist technisch gut ausgestattet und gut erreichbar. Die Journalisten haben hier alles, was sie brauchen. Das Wichtigste: Er wird als neutral wahrgenommen. Unlängst hat einer gesagt: Ich gehe deshalb so gerne in den Presseclub Concordia, weil es dort einen guten Kaffee gibt und man sogar rauchen darf.

Aus deiner langjährigen Erfahrung: Was muss man tun, um ins Gestalterische, ins Aktive hineinzukommen, wenn man erst einmal eine Machtposition erreicht hat?

Da gehören persönliche Merkmale dazu: Man muss führen, man muss Macht ausüben wollen. Und man braucht ein Netzwerk. Man braucht Leute, die einen unterstützen. Man muss sich Leute suchen, die – wie Bruno Kreisky damals gesagt hat – ein Stück des Weges mit einem gehen. Das wird allerdings in unserer Zeit nicht mehr so häufig gemacht. Deshalb wird die Macht von heutigen Persönlichkeiten auch angezweifelt.

Wie siehst du als Presseclub-Chefin den kritischen Journalismus: Gibt es da noch einen Hoffnungsschimmer oder bist du für die Zukunft skeptisch?

Das ist in der öffentlichen Debatte derzeit ein heißes Thema. Ich war unlängst bei einer Diskussion zum Thema Lügenpresse. Da hat einer gesagt: Das Gute am Schlechten ist, dass es immer eine Gegenbewegung auslöst. Daher sehe ich die Chance, dass auch im Journalismus das Pendel wieder einmal auf die Gegenseite ausschlägt. Aber ich glaube, dass wir noch nicht am Anschlag sind. Österreich ist da überhaupt ein Ausreißer, was ganz Europa anlangt. Wir haben ganz treue Medienkonsumenten, die bei den traditionellen Medien bleiben.

Wie ist deine Erfahrung aus dem jahrzehntelangen Kontakt: Müssen Politiker nicht nur zeitlichen Druck sondern auch Kritik aushalten?

Ja, auch ungerechtfertigte Kritik. Man kann sich nicht leisten, empfindlich zu sein. Wenn man Kritik allzu persönlich nimmt, führt das dazu, dass man auch berechtigte Kritik nicht mehr hört, weil man einen Abschottungs-Mechanismus entwickelt hat. Was man ab einer gewissen Position unbedingt beherrschen muss, ist Kommunikation nach innen und außen.

Eingangs haben wir über den Unterschied zwischen Frauen und Männern beim Zugang zu Macht gesprochen. Meine männlichen Gesprächspartner behaupten, dass es keinen Unterschied mehr gibt.

Natürlich haben Frauen heute mehr Machtpositionen als früher. Das ist ja auch kein Wunder. Denn sie haben in der Ausbildung aufgeholt. Wir haben diese Debatte jetzt seit 40 Jahren. Da muss sich ja was tun. Aber wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Als Beispiel möchte ich die Chefredakteurinnen nennen, deren Nachfolger meist wieder Männer sind. Erfreulicher Ausreißer ist die Kleine Zeitung in Kärnten, wo Antonia Gössinger auf Eva Weissenberger gefolgt ist.

Wo siehst du nach wie vor Unterschiede?

Bei den Frauen redet man etwa noch immer über das Aussehen, das Gewand und die Frisur. Das wird bei einem Mann nur dann gemacht, wenn er völlig aus der Rolle fällt.

Was könnten Frauen anders machen?

Frauen haben nicht hunderte Jahre Erfahrung in Machtpositionen. Ich selbst bin relativ früh in wichtige Positionen berufen worden. Ich bin von klein auf widerspenstig und wiederborstig gewesen. In den Siebziger Jahren hat es angefangen, dass man Frauen in den Gremien haben wollte. Da war ich eine, die hat Ja gesagt, die Reden halten konnte. Deshalb ist es mir ziemlich leichtgefallen, solche Rollen zu spielen. Aber ich erinnere mich an meinen Vater, der jedes Mal, wenn ich berufen worden bin, gefragt hat: Kannst du das überhaupt?

Zum Abschluss möchte ich dich bitten, ein Resümee zu ziehen über unser vielseitiges Gespräch.

Ja gerne. Wenn ich auf die Uhr schaue, bemerke ich, dass die Zeit viel schneller vergangen ist als gedacht. Eigentlich wollten wir ja nicht so lange miteinander reden. Vor allem, weil ich als Journalistin ja gewohnt sein müsste, auf den Punkt zu kommen. Aber es war total spannend, weil es dazu geführt hat, dass man selber reflektiert. Ich habe bemerkt, dass ich zu vielen Punkten eine pointierte Meinung habe. Und das hat Spaß gemacht.

Danke für das Gespräch.